Mit gerade einmal elf Jahren hat Lennard Willi Wolf einen Schritt gewagt, den selbst viele Erwachsene scheuen: Er absolvierte erfolgreich den Schiedsrichter-Lehrgang im Flag Football – und gilt damit als jüngster Flag-Schiedsrichter Deutschlands. Doch hinter dieser besonderen Geschichte steckt weit mehr als nur eine außergewöhnliche persönliche Leistung.
Gemeinsam mit seinem Vater René Kurzok, der sich bei uns im Landesverband intensiv mit Schulflag-Konzepten und der Ausbildung im Nachwuchsbereich beschäftigt, wurde aus einer spontanen Idee schnell ein spannendes Praxisprojekt für die Zukunft des Sports.
Im Interview sprechen René und sein Sohn Lennard über junge Schiedsrichter im Flag Football, neue Ausbildungsansätze für Kinder und Jugendliche, die Bedeutung von Regelverständnis im Breitensport – und darüber, warum der Spaß am Spiel manchmal auch mit einer Pfeife in der Hand beginnt.
AFCV NRW: René, dein Sohn Lennard hat mit elf Jahren den Schiedsrichter-Lehrgang absolviert – war das eine spontane Idee oder bewusst als Praxistest für eure Schulflag-Konzepte gedacht?
René Kurzok: Wie es dazu gekommen ist, kann Lennard sicher selbst am besten erzählen. Die Umsetzung allerdings war nicht so einfach. Schließlich gibt es Vorgaben, was das Mindestalter angeht. Dabei sehen wir in vielen Sportarten, das Jungschiedsrichter durchaus funktionieren. Mit Unterstützung von NRW-Vizepräsident Fabian Pawlowski konnten wir das dann auch ausprobieren. Es passt natürlich perfekt in die Idee des Schulkonzeptes.
AFCV NRW: Ist in euren aktuellen Schulflag-Konzepten vorgesehen, dass Schülerinnen und Schüler selbst Schiedsrichterrollen übernehmen. Welche Erkenntnisse konntest du aus diesem Test unter Realbedingungen für die zukünftige Ausbildung gewinnen?
René Kurzok: Die Idee dafür ist schon länger da. Zusammen mit Denis Milanovic vom AFCV Berlin/Brandenburg und dem AFVD erarbeiten wir gerade an einer Umsetzung, Flagfootball in der Ausbildung von Coaches, Lehrkräften aber auch Schiedsrichtern weiter in die Breite zu bekommen und nutzen dafür moderne Varianten, die z.B. bereits beim DOSB erprobt sind. Die aktuelle Ausbildung ist für Kinder nicht wirklich geeignet, bzw. braucht es hier eine enge Begleitung. Auch auf dem Spielfeld braucht es eine Art „Buddykonzept“. Das konnten wir mit Lennard bereits mehrfach testen. Ich bin aber auch im Austausch mit anderen Vereinen, die ebenfalls Jugendliche in die Schiedsrichterausbildung einbinden. Es steht und fällt wie immer mit der Bereitschaft der Erwachsenen.
AFCV NRW: Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass junge Athletinnen und Athleten nicht nur spielen, sondern auch die Regeln aus Schiedsrichter-Perspektive verstehen?
René Kurzok: Es soll ja ein Breitensport sein. Damit darf der Sport und auch das Regelwerk in die Breite gehen. Ich selbst war 16 Jahre lang Fußballschiedsrichter und bereits mit 17 auf dem Platz. Da hast du dich nicht selten mit Spielern über die Definition von Abseits gestritten, obwohl sie selbst schon 30 Jahre spielen. Wenn die Kids sich frühzeitig mit dem Regeln beschäftigen, dann wird der Sport für die Kinder klarer. Das Coaching wird einfacher. Der Sport kann auf den „Hinterhöfen“ Einzug finden und es gibt eine gemeinschaftliche Sprache. Und das Beste: durch die Kids können einige Regeln auch eine neue Perspektive bekommen und den Sport weiter dynamisch halten. Wir versuchen auch die NRW Schulflag-Meisterschaften, die am 13. Juli 2026 in Remscheid stattfinden werden, bereits mit vielen Jungschiedsrichtern zu besetzen.
AFCV NRW: Lennard, wie bist du auf die Idee gekommen, den Schiedsrichter-Lehrgang zu machen – und wie fühlt es sich an, mit elf Jahren der jüngste Flag-Schiedsrichter Deutschlands zu sein?
Lennard Willi Wolf: Ich habe mich im Sportunterricht verletzt und durfte deswegen eine Zeit lang nicht mit Fußball spielen. Da bin ich dann als Schiedsrichter eingesprungen. Das fand ich ziemlich cool. Ich habe dann meinem Papa davon erzählt und er hat gesagt, dass ich das ja auch mal beim Flagfootball ausprobieren könnte. Das habe ich dann gemacht und richtig Spaß dabei gehabt. Nach dem Schiri-Lehrgang fühlt sich natürlich super gut an, jetzt der jüngste Schiedsrichter in Deutschland zu sein. Ich habe jetzt vor kurzem sogar schon in Utrecht beim King Bowl bei einem internationalen Turnier gepfiffen.
AFCV NRW: Was war für dich im Lehrgang am schwierigsten und was hat dir am meisten Spaß gemacht?
Lennard Willi Wolf: Also das Schwierigste beim Lehrgang war auf jeden Fall die Prüfung. Und auch dass man sieben Stunden oder acht Stunden vorm Laptop saß und sich die ganze Zeit konzentrieren musste. Das Beste war, das wir Fotos und Videos analysieren durften. Das war cool!
AFCV NRW: Glaubst du, dass dir das Wissen als Schiedsrichter auch als Spieler hilft? Wenn ja, wobei genau?
Lennard Willi Wolf: Das Wissen als Schiedsrichters hilft mir auf jeden Fall auch im Spiel weiter. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass mein Kopf als Center nicht über dem Ball sein darf, sonst kriegen wir eine Strafe. Und man darf auch nicht so langsam trudelnd einfach in die Endzone laufen, denn sonst gilt das als Auslachen und man bekommt eine Strafe. Das ist schon gut, Spieler und auch Schiedsrichter zu sein. Ich verstehe jetzt auch mehr im Training.
AFCV NRW: Als letzte Frage, was hast du in Zukunft noch vor als Schiedsrichter? Hast du da irgendwelche Ideen, wo es hingehen soll, oder so eine Art Vorbild?
Lennard Willi Wolf: Also was sehr cool wäre, wenn ich vielleicht mal ein Turnier pfeifen würde. Wie in Berlin das Jugendländerturnier. Mein Vorbild ist tatsächlich mein Papa, weil ich finde, er ist auch ein guter Schiedsrichter und er ist halt auch mein Papa.
AFCV NRW: Vielen Dank Lennard und René. Viel Erfolg beim Flag Football spielen und natürlich auch bei den Einsätzen als Schiedsrichter.
Du willst auch Schiedsrichterin oder Schiedsrichter beim Flag Football werden? Dann melde Dich gerne bei uns für weitere Informationen. Dein Ansprechpartner ist NRW Schiedsrichter-Obmann Marcel Hopp (m.hopp@afcvnrw.de).
Mit seinen mehr als 80 Mitgliedsvereinen ist der AFCV NRW der größte Landesverband für American Football und Cheerleading in Deutschland. American Football wird aktuell im Herrenbereich, sowie in den Jugendaltersklassen U10, U13, U16 und U19 angeboten. Die kontaktlose Variante, Flag Football genannt, findet bei uns in NRW vornehmlich an Schulen statt, wird aber auch in einigen Vereinen mit großer Begeisterung gespielt. Die Cheerleading-Vereine stellen ihr großes sportliches Können im Breitensport und bei den NRW-Landesmeisterschaften unter Beweis. Titelerfolge bei Deutschen Meisterschaften sowie Europa- und Weltmeisterschaften sind auch keine Seltenheit.
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